Ev.-luth. Pauluskirchengemeinde Leer-Heisfelde

Angedacht

Liebe Gemeinde,
im Alten Testament lesen wir, wie Gott vor dem Volk Israel herzieht auf dem Weg durch die Wüste - als Wolkensäule am Tag, als Feuersäule in der Nacht...

Das wäre auch für uns ein schöner Gedanke... Gott ist dicht bei uns und zeigt uns den Weg durch das bald beginnende Jahr 2019... Wolken- und Feuersäule wäre natürlich nicht mehr so zeitgemäß, weil sie sicher zu einem ziemlichen Verkehrschaos führen würden... Aber dass wir Gott wie so ein Navigationssystem bei uns hätten, das würde manches erleichtern...

Aber so einfach ist es eben doch nicht. Der christliche Glaube lebt davon, dass wir die Gegenwart Gottes in unserem Inneren spüren müssen. Manche fragen sich jetzt vielleicht, wie das gehen soll und wie man es merken kann... manche haben die Erfahrung vielleicht aber doch schon gemacht... dass sie in bestimmten Situationen die Nähe Gottes erfahren haben.

Zur Verdeutlichung habe ich mal ein Paar Nüsse mitgebracht. Eine Erdnuss, eine Walnuss, eine Haselnuss und eine Kokosnuss... Bei aller Unterschiedlichkeit haben sie eines gemeinsam: Ihr Inneres ist für unsere Augen so nicht sichtbar. Wir müssen uns bemühen, an den Kern zu kommen.

So stelle ich mir das auch mit Gott oder überhaupt mit dem Glauben vor – .... es gibt Tage, die nenne ich jetzt mal die „Erdnusstage“ - da ist es ziemlich leicht, die Schale zu knacken, das gelingt mit der bloßen Hand ... es fällt uns leicht, uns selbst zu öffnen und wir sind empfänglich für Gott und seine Botschaft – das sind Tage, da spüre ich die Dankbarkeit für vieles in meinem Leben, freue mich an der guten Schöpfung Gottes und vertraue darauf, dass ich getragen und gehalten werde...

Es gibt aber auch Tage, die sind eher wie Wal- oder Haselnüsse... da brauche ich Unterstützung, um die Nuss zu öffnen > einen Nussknacker

… das sind Zeiten, wo man scheinbar fern von Gott ist, wo Dinge uns belasten …. wo wir vielleicht auch mit Gott hadern, nicht verstehen, was uns widerfährt...

…. In solchen Zeiten haben wir auch selbst so eine harte Schale um unser Herz gelegt – ohne das wir das immer gleich selbst merken... Gefühle wie Enttäuschung, Kummer, Schmerz, Traurigkeit, Verlassenheit, Demütigung, die wollen wir ja alle nicht gern empfinden – also bauen wir ganz unbemerkt eine Schutzmauer – Pech ist nur, dass an so einer Mauer auch meist das Gute abprallt.

Wir nehmen dann auch die Freundlichkeit und Sympathie der anderen zu uns gar nicht mehr so richtig wahr … und auch Gott lassen wir nicht wirklich an uns ran... da braucht es oftmals viel Geduld, Einfühlungsvermögen oder auch mal klare Worte, um die harte Schale zu sprengen....

und wenn wir dann an eine Kokosnuss denken... ja, dann sitzen wir in tiefsten Tiefen und Gott erscheint uns so verborgen, dass wir an seinem Dasein zweifeln...

Deshalb ist beides so wichtig: dass wir uns immer wieder bewusst werden, dass wir Gottes geliebtes Kind sind – dafür müssen wir uns noch nicht mal anstrengen - … und dass wir selbst uns auch öffnen für das Gute um uns herum. -

Unser menschlicher Nussknacker kann dafür die Dankbarkeit sein. Wer auf das Gute und Gelungene in seinem Leben sieht, wird spüren, dass das nicht alles selbstverständlich war und ist – dass wir anderen Menschen etwas zu verdanken haben, und natürlich Gott, der unser Leben mit all den Ecken und Kanten in seiner Hand hält... der Schuld vergibt und Mut zur Vergebung schenkt, sodass mitten unter uns, in unserer Gemeinschaft Gottes Geist spürbar ist.

Diakonin Susanne Kretzschmar